Kurz- und mittelfristige Trends
- in den USA und im Euroraum Leitzinsen im Bereich historischer Tiefs, leicht positiv
- Wirtschaftliche Frühindikatoren (z.B. IFO Geschäftsklimaindex, OECD CLI): fallend, negativ
- Bewertung (Vergleich Gewinnrendite zu langfristigen Zinsen) leicht positiv
Insgesamt: Indikatoren zeigen ein sehr gemischtes Bild. Die schwerste Finanz- und Vertrauenskrise nach der Weltwirtschaftskrise ist nur durch staatliches Eingreifen 'gelöst' worden.
Anlageschwerpunkte aktuell
Die Aktienquote soll in einer normalen wirtschaftlichen Lage nahe 100% (d.h. Vollinvestition in Aktien, Aktienfonds und Ähnlichem) liegen.
Aktuell ist die wirtschaftliche Lage instabil. Durch die Überschuldung vieler Staaten besteht eine latente Krisengefahr, die auch durch relativ kleine Auslöser akut werden kann (z.B. Rezession). Da diese Überschuldung viele betrifft, könnte sich die Krise dann schnell ähnlich aufschaukeln wie 2008 nach der Lehman Pleite. In diesem Umfeld versuchen wir, dem mittelfristigen (mehrmonatigen) Trend an den Aktienmärkten zu folgen. Dieser Trend wird unter anderem über mittelfristige Gleitende Durchschnitte (z.B. Gleitender Durchschnitt über 100 Tage in verschiedenen Aktienindices) bestimmt. Diese Methode hat den Vorteil, dass mehrmonatige Aufwärtstrend mitgenommen und mehrmonatige Abwärtsphasen vermieden werden. Der Nachteil ist, dass in Seitwärtsphasen und bei den Übergängen von Auf- und Abwärtsbewegungen Fehlsignale entstehen können. Rückblickend kann man sagen, dass dieses Vorgehen von 2000 bis 2011 erfolgreich gewesen ist und wir vermuten, dass dies auch weiterhin gilt, solange die Schuldenkrise nicht dauerhaft behoben ist.
Warum soll in Aktien investiert werden, wenn die langfristige wirtschaftliche Lage so instabil ist? Vollinvestition in Aktien ist für den Investmentclub der Normalfall. Nur in Ausnahmefällen soll das Geld in z.B. Geldmarktfonds oder kurzfristigen Bundesanleihen geparkt werden. Bei der aktuellen Schuldenkriste kommt hinzu, dass für den Fall der akuten Krise eine Aktieninvestition sinnvoll sein könnte: zum Beispiel, falls die Krise über Inflation 'gelöst' wird.
Wann die Krise akut wird und wie sie gelöst wird ist kaum vorherzusagen, weil es nicht nur von wirtschaftlichen, sondern auch von massenpsychologischen und politischen Entwicklungen abhängt. Politische Entscheidungen in der Schuldenkrise können zum Beispiel von demselben Politiker heute so und morgen ganz anders ausfallen...
Unser jeweils aktuelles Aktiendepot ist hier genauer beschrieben:
Welche Aktien kaufen?
Anlageschwerpunkte historisch
Am 21. Februar 2003 startete das private Depot mit Beteiligungen aus dem Bekanntenkreis in Aktien-Krisenstimmung. Im Laufe der nächsten Monate wurde der Aktienanteil auf fast 100% ausgebaut. Anlageschwerpunkte waren Aktienfonds mit mittelgrossen deutschen Unternehmen und Unternehmen aus Österreich.
Bis auf kleiner Anpassungen wurden diese Anlagen bis ins Frühjahr 2006 gehalten. Im Frühsommer erfolgte dann eine weitgehende Umschichtung in Geldmarktfonds. Dadurch ist auch im Krisenjahr 2008 ein kleiner Gewinn angefallen.
Den Aktienanstieg ab Frühjahr 2009 hat unser Depot nur zu einem kleinen Teil mitgemacht, weil der Aktienanteil so gering war. Dies lag daran, dass wir gesehen haben, dass die Schuldenkrise noch nicht beendet ist.
Langfristige Trends
Von dem Ende der Weltwirtschaftskrise 1933 bis ins Jahr 2000 hatten die Aktienmärkte unter starken Schwankungen einen sehr starken Aufwärtstrend. In dieser Zeit war die buy-and-hold-Strategie, also Aktien (regelmässig) zu kaufen und zu halten, eine sehr erfolgreiche Strategie, die besser war, als die meisten aktiv gemanagten Aktienfonds.
Unserer Meinung nach werden die Aktienmärkte in den nächsten Jahrzehnten real (nach Abzug der Inflationsrate) weniger stark steigen, weil es einige langfristige Trends gibt, die sich für die Aktienanlage ungünstig entwickeln:
- Staatsverschuldung: der deutsche Staatshaushalt ist weit davon entfernt, langfristig stabil zu sein. Die Verschuldungsquote (als Anteil am Bruttoinlandsprodukt) wächst nachhaltig. Vermutlich wird dies zumindest mittel- und langfristig so sein.
Die Zinsausgaben des Staates sind sehr hoch, obwohl die Zinsen langfristig gesehen niedrig sind.
- Geldmengen- und parallel dazu Verschuldungswachstum: dies führt im günstigen Fall nur zu einer stärkeren Ungleichheit der Einkommen und Vermögen. Im ungünstigen Fall destabilisiert es die Wirtschaft.
- demographische Entwicklung: dadurch verschlechtert sich die Lage im sozialen Sicherungssystem (Krankenversicherung, Rentenversicherung). Daneben besteht die Möglichkeit, dass sich das Produzenten-Konsumenten-Gleichgewicht zuungunsten der Konsumenten verschiebt, weil es zu viele Konsumenten gibt (die Altersvorsorge wird dann im Alter konsumiert).
- Umweltverschmutzung und dadurch entstehende Kosten...
- Peak-Oil: Öl-Förder-Maximum; danach kann nicht mehr so viel Öl gefördert werden, wie zum aktuellen Preis nachgefragt; allgemein: relativ knapper und teurer werdende Rohstoffe, weil Rohstoffe endlich sind und viel mehr Menschen in dann industrialisierten Ländern leben (Emerging Markets, China, Indien). Schätzungen für den Zeitpunkt des Peak-Oils gehen weit auseinander: 2005-2050.
Statt der buy-and-hold-Strategie ist es in diesem Umfeld unserer Meinung nach langfristig besser, sich an dem Konjunktur- und Zinszyklus zu orientieren und entsprechend zu kaufen und zu verkaufen. Ausserdem könnten Rohstoffanlagen in den nächsten Jahrzehnten deutlich besser sein als in den letzten Jahrzehnten.
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